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06.09.2022 Wasser & Ressourcen

Toshka-Projekt Ägypten: Nahrungsmittelversorgung sichern

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Es ist ein vor Jahrzehnten entwickelter Plan: Unter der aktuellen Regierung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi nimmt das sogenannte Toshka-Projekt im Süden Ägyptens nun neue Fahrt auf. Als Teil der „Egypt Vision 2030“ soll das Land unabhängiger von Nahrungsmittelimporten werden. Wilo liefert wichtige Technologien zur nachhaltigen Bewässerung der Wüste.

Die Vision vom Ackerland in der Wüste

Schon Mitte der 1990er Jahre wollte der damalige Präsident, Husni Mubarak, rund eine Million Hektar Wüstenland zurückgewinnen und in Ackerland umwandeln. Eine Fläche in etwa so groß wie der Inselstaat Jamaika. Das strategische Ziel: Ägypten langfristig unabhängig von Getreideimporten machen und eine sichere Nahrungsmittelversorgung gewährleisten – das Toshka-Projekt war geboren. Das bevölkerungsreichste Land des Nahen Ostens importiert so viel Weizen wie keine andere Nation weltweit. Wie wichtig eine stabile Versorgung für den Frieden im Land ist, zeigten jedoch unter anderem die sogenannten Brotaufstände 1977. Die damalige Regierung wollte die Brotpreise erhöhen und trieb damit die Bürgerinnen und Bürger auf die Barrikaden. Auch während der Proteste des arabischen Frühlings 2011 forderten die Menschen „Brot, Freiheit, Menschenrechte.“

„Das strategische Ziel des Toshka-Projektes ist es, das Land langfristig unabhängig von Weizenimporten zu machen und eine sichere Nahrungsmittelversorgung zu gewährleisten.“

President & CEO of the Wilo Group President & CEO of the Wilo Group

Oliver Hermes, Vorstandsvorsitzender und CEO der Wilo Gruppe

Weltweite Krise erschweren Nahrungsmitterversorgung

Globale Krisen, Protektionismus und Nationalismus stellen etablierte Allianzen und internationale Lieferketten in Frage. Diese Abkehr von multilateralen Bündnissen hat enorme wirtschaftliche und sozialpolitische Folgen. Insbesondere der Krieg in der Ukraine sorgt für Verwerfungen, die langfristig wirken werden. Immerhin sind Russland und die Ukraine zwei der wichtigsten Weizenexporteure der Welt. Vor allem auf dem afrikanischen Kontinent hat die militärische Auseinandersetzung in Osteuropa die Nahrungsmittelknappheit massiv verschärft. Langfristige Lösungen müssen her, will man sich von der Abhängigkeit von Getreideimporten lösen.

Zunehmende Urbanisierung

Rund 60 Prozent der Ägypterinnen und Ägypter leben derzeit in Städten oder ihrem direkten Einzugsgebiet. Diese urbanen Gegenden wachsen schneller, als die notwendige Infrastruktur ausgebaut werden kann. Aus den ländlichen Gebieten kommen immer mehr Menschen nach. Seit 1980 ist die Bevölkerung Ägyptens von rund 40 Millionen auf über 104 Millionen Menschen gewachsen. Bis 2030 werden es voraussichtlich fast 120 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner sein. Eine der größten Fragestellungen ist deshalb die sichere und nachhaltige Versorgung mit Trink- und Nutzwasser. Schließlich besteht das Land zu 95 Prozent aus Wüste.

EGYPT - NOVEMBER 05: The Mubarak Pumping Station stands in Toshka, Egypt, on Monday, Nov. 5, 2007. The station lifts water from Lake Nasser and feeds it to the canals that irrigate desert land. President Hosni Mubarak set out in 1997 to reclaim 1 million acres of the Sahara Desert, spending $1 billion to turn an area the size of Jamaica into farmland for the Arab world's most populous nation. Today, only about 8,000 acres of land in the nearby Toshka Valley have been planted. (Photo by Dana Smillie/Bloomberg via Getty Images)

Aerial view of the Sheikh Zayed channel in Toshka, Egypt.

Mubarak Pumping Station: Grösste Pumpstation der arabischen Welt

Um den zahlreichen Herausforderungen zu begegnen, will die Regierung al-Sisis die urbare Fläche Ägyptens auf 25 Prozent erweitern. Im trocken-heißen Südwesten des Landes zwischen dem Nassersee und den Oasen der libyschen Wüste ließ man dafür eine der größten Pumpenstationen der Welt errichten: Die Mubarak Pumping Station fördert bis zu 1,2 Millionen m³ Wasser pro Stunde aus dem Nassersee in den Scheich-Zayid-Kanal.

Sie ist das Herzstück des Toshka-Projekts und transportiert insgesamt 25 Millionen m³ Wasser täglich. Früher versickerten Nilhochwasser im Wüstensand. Heute wird das lebenswichtige Nass kanalisiert und mithilfe zahlreicher weiterer Pumpenstationen an seinen jeweiligen Bestimmungsort gebracht. Als Bestandteil der „Egypt Vision 2030“, die im Zusammenspiel mit den Sustainable Development Goals (SDG) und der Sustainable Development Strategy for Africa 2063 entstand, soll dieses Projekt die nachhaltige Entwicklung Ägyptens sicherstellen.

Die Wüste effizient bewässern

Bei der Bewässerung eines weiteren Landstriches setzt die ägyptische Regierung auf hoch effiziente und ressourcenschonende Pumpen. Dort sollen etwa 56.700 Hektar neues Ackerland bewässert werden. Der geschätzte Bedarf liegt bei 5,5 Milliarden m³ Wasser pro Jahr, die 265 Kilometer flussaufwärts des Assuan-Staudamms entnommen werden. Diese riesige Wassermenge transformiert das Wüstenland langfristig in landwirtschaftlich nutzbare Fläche. Gleichzeitig ist der Verwaltungsaufwand sehr hoch. Ägyptens derzeitiger Anteil am Nilwasser, liegt bei 55,5 Mrd. m³ pro Jahr, festgelegt im Nile Water Treaty von 1959. Nur eine strukturierte Planung und ein hocheffizienter Ressourceneinsatz ermöglichen die dauerhafte Wasserversorgung des Gebietes. Wilo liefert dafür die notwendige Technologie und die entsprechende Expertise. „Mit diesem Projekt will der Staat zur Ernährungssicherheit beitragen, die Exporte steigern, der Landwirtschaft zum Durchbruch verhelfen und Tausende von Arbeitsplätzen schaffen. Unser Team hat hervorragende Arbeit auf allerhöchstem Niveau geleistet, damit diese Mammutaufgabe bewältigt werden kann“, sagt Yasser Nagi Managing Director Wilo Middle East & Egypt sowie Group Director Sales Area Middle East and Asia. Insgesamt liefert Wilo mehr als 300 Splitcase-Pumpen und ermöglicht so die umweltschonende Wasserversorgung der Region.

„Unser Team hat hervorragende Arbeit auf allerhöchstem Niveau geleistet, damit diese Mammutaufgabe bewältigt werden kann.“

Yasser Nagi, Managing Director Wilo Middle East & Egypt / Group Director Sales Area Middle East and North Africa

Logistische und klimatische Herausforderungen

Neben der großen Hitze mit Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius ist auch der Wüstensand eine echte Herausforderung für die Umsetzung des Projekts. Viele der eingesetzten Maschinen sind empfindlich, die Motoren überhitzen oder blockieren, wenn wortwörtlich Sand ins Getriebe kommt. So entwickelten die Ingenieurinnen und Ingenieure besonders robuste Lösungen, die auch extremen Umweltbedingungen widerstehen können. Zudem müssen die Pumpenstationen in den einzelnen Projektabschnitten sandsturm- und erdbebensicher sein, damit sie langfristig funktionsfähig sind.

Kritik aus der Nachbarschaft

Seit Jahrzehnten führen die zehn Anrainerstaaten des Nil-Basins kontroverse, teils hitzige Debatten über die Nutzung des Nilwassers. Es ist wenig überraschend, dass in einer der trockensten Regionen der Welt um jeden Tropfen Wasser gekämpft wird. In Nordafrika und dem Nahen Osten leben mehr als sechs Prozent der Weltbevölkerung, doch dort liegen in natürlichen Quellen weniger als zwei Prozent des erneuerbaren Süßwassers der Erde. Viele Nachbarn Ägyptens betrachten das Projekt deshalb mit Sorge. Angesichts von jährlich 1 Mrd. m³ Niederschlag, 7,5 Mrd. m³ Grundwasser und 5 Mrd. m³ wiederverwertetem landwirtschaftlichem Drainagewasser ist die ägyptische Regierung dennoch optimistisch, dass sie das Projekt realisieren kann, ohne die dem Land zugestandene Quote des Nilwassers zu erhöhen.

„Mit dem Toshka-Projekt leisten wir einen Beitrag zur Sicherung der Lebensmittel- und Wasserversorgung in Ägypten. Wir möchten das Land dabei unterstützen, unabhängiger von Getreideimporten zu werden und dabei helfen, die Existenzgrundlage für viele Millionen Menschen zu sichern.“

Oliver Hermes, Vorstandsvorsitzender und CEO der Wilo Gruppe

Ernte in Toshka: Erste Erträge sichtbar

Im April 2022 besuchte der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi die Toshka-Region anlässlich des Starts der Erntesaison. Zudem machte er sich vor Ort ein Bild vom aktuellen Stand der Baumaßnahmen. Vier Bauabschnitte sind bereits abgeschlossen, weitere werden im Rahmen der langfristigen Partnerschaft zwischen Wilo und dem ägyptischen Staat entwickelt. Dabei stehen gezielte Maßnahmen zur Sicherung der Nahrungsmittel- und Wasserversorgung im Fokus. Wilo setzt sich für eine verantwortungsvolle und nachhaltige Nutzung von Ressourcen ein, insbesondere von Wasser. „Mit dem Toshka-Projekt leisten wir einen Beitrag zur Sicherung der Lebensmittel- und Wasserversorgung in Ägypten. Wir möchten das Land dabei unterstützen, unabhängiger von Getreideimporten zu werden und dabei helfen, die Existenzgrundlage für viele Millionen Menschen zu sichern“, erklärt Oliver Hermes, Vorstandsvorsitzender und CEO der Wilo Gruppe.

Zusammenfassung

„Egypt Vision 2030“: Nachhaltige Entwicklung für Ägypten

Bereits seit Mitte der 1990er Jahre arbeitet Ägypten an einem Projekt, mit dem die Wüste bewässert und urbane Ballungszentren entlastet werden sollen: Das Toshka-Projekt spielt bei der Umsetzung der „Egypt Vision 2030“ eine zentrale Rolle. Die bewohnbare Fläche des Landes soll dabei auf 25 Prozent anwachsen. Da globale politische Krisen und die Herausforderungen des Klimawandels die Nahrungsmittel- und Wasserversorgung in Nordafrika zunehmend erschweren, zielt dieses Projekt auf eine langfristige Unabhängigkeit von Getreideimporten. Zudem ist man sich in Kairo sicher, dass sich dieses Vorhaben, trotz kritischer Stimmen aus den Nachbarländern, mit den vorhandenen Wasserressourcen umsetzen lässt. Erste Erträge sind bereits sichtbar: Im April 2022 startete unter den Augen von Präsident Abdel Fattah al-Sisi in Toshka die Erntesaison. In Zusammenarbeit mit der ägyptischen Regierung liefert Wilo Lösungen, um den Ausbau des Projektes und die „Egypt Vision 2030“ zu unterstützen.