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04.10.2023 Sport

Wilo Champions Talk: Lars Ricken, Teil 1

Interview Nachhaltigkeit Video

„Die höchste Wertschätzung der Fans“

Champions-League-Sieger 1997, Deutscher Meister 1995, 1996 und 2002, Weltpokal-Sieger 1997 – Lars Ricken ist einer der erfolgreichsten BVB-Spieler aller Zeiten. In all den Jahren ist er dem Verein treu geblieben. Heute ist er Direktor des Nachwuchsleistungszentrums und verantwortlich für die Förderung talentierter Nachwuchsspieler. Im Interview blickt er zurück auf seinen größten Erfolg als Spieler und erklärt uns, warum ein Vereinswechsel für ihn nie in Frage kam.

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Wilo: Lars, du wirst vermutlich für immer mit dem Champions-League-Finale 1997 in Verbindung gebracht. Dein Lupfer aus 25 Metern zum 3:1-Siegtreffer gegen Juventus Turin, nur Sekunden nach deiner Einwechslung, ist legendär und wurde sogar zum Jahrhunderttor des BVB gewählt. Wie oft hast du davon erzählt in den mehr als 25 Jahren, die seit diesem Triumph vergangen sind?

Ricken: Sehr häufig. Besonders im letzten Jahr, 25 Jahre nach dem Finale, habe ich viele Interviews gegeben und fühlte mich ein bisschen wie Rocky Balboa, der im vierten Teil der Filmreihe immer von seinen alten Kämpfen erzählt. Es ist aber nicht so, dass ich immer nur meine Geschichte erzähle. Viel häufiger komme ich mit Fans ins Gespräch, die mir dann von ihren persönlichen Erinnerungen berichten. Wie sie das Tor wahrgenommen haben oder wo sie gerade waren. Denn jeder BVB-Fan weiß noch genau, was er zu diesem Zeitpunkt gemacht hat. Aber es gibt sicher auch diejenigen, die das Tor nicht live gesehen haben, weil sie dachten: Okay, es ist die 74. Minute, eine Einwechslung … da passiert jetzt nicht viel. Da kann ich mir noch ein Getränk holen oder zur Toilette gehen. So haben wahrscheinlich einige das Tor verpasst.

„Jeder BVB-Fan weiß noch genau, was er zu diesem Zeitpunkt gemacht hat.

Lars Ricken über sein BVB-Tor des Jahrhunderts

Wilo: Trotzdem bleibt das Spiel unvergessen und bietet zahlreiche Anekdoten…

Ricken: Es ist für mich die höchste Form der Wertschätzung, wenn mir die Fans ihre Geschichte erzählen. Zum Beispiel eine junge Frau, die sich zwei Wellensittiche gekauft hatte und keine Namen wusste. Nach dem Spiel war es klar: Kalle und Lars. Es ist für mich sehr besonders, zu erleben, welche Emotionen auch heute noch mit diesem Spiel und meinem Tor verbunden sind.

Wilo: Ihr habt damals gegen eine absolute Topmannschaft gespielt, die eigentlich als unschlagbar galt. Sie hatten Stars wie Zinédine Zidane. Wie war das für dich damals, als junger Spieler gegen solche Mannschaften zu spielen?

Ricken: Genau da wollte ich hin. Das war mein Ziel. Ich will nicht sagen, dass das Normalität war. Das Champions-League-Finale war natürlich der Gipfel, aber wir waren in dieser Zeit ja dauerhaft international vertreten. 1998, ein Jahr später, haben wir es ins Halbfinale geschafft. Es war das legendäre Spiel, bei dem das Tor in Madrid umgefallen ist. Die Champions-League-Saison 1997 war aber insofern eine besondere Herausforderung, da wir in der Liga nicht gut gespielt hatten. Wir mussten schon den Titel gewinnen, um im Folgejahr wieder dabei zu sein. Juve war damals das Maß der Dinge im europäischen Fußball, so wie Real Madrid in den letzten Jahren. Sie hatten kurz zuvor die italienische Meisterschaft gewonnen und dachten wohl, den Champions-League-Titel können sie noch so nebenbei mitnehmen. Sie hatten fantastische Spieler, den bereits erwähnten Zidane, Deschamps, Bokšić, Del Piero … Aber wir waren selbstbewusst, wir hatten eine großartige Mannschaft und wir waren uns sicher, dass wir das Spiel gewinnen können.

Wilo: Und so ist es dann auch gekommen. Du bist dem BVB trotz des Hypes um deine Person, vor allem nach dem Finale 1997, immer treu geblieben. Was waren die Gründe?

Ricken: Es gab Angebote, allerdings nicht von den großen, internationalen Topteams. Dazu hatte ich zu wenige Spiele in der Nationalmannschaft. Ich glaube, ich hatte insgesamt 16 Einsätze und von diesen Vereinen kommen in der Regel nur Angebote, wenn du dauerhaft Nationalspieler bist. Das war ich damals nicht. Und zu einem ausländischen Verein, der nicht zur Spitzenklasse gehörte, wollte ich nicht wechseln.

„Als gebürtiger Dortmunder, der selbst Teil der gelben Wand war und dessen Vater hier in der Jugend gespielt hat, kam das für mich nicht in Frage.

Lars Ricken über einen möglichen Wechsel zum FC Bayern München

Wilo: Und national?

Ricken: Die Bayern haben tatsächlich mal angefragt, als ich bereits beim BVB verlängert hatte. Aber als gebürtiger Dortmunder, der selbst Teil der gelben Wand war und dessen Vater hier in der Jugend gespielt hat, kam das für mich nicht in Frage.