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06.07.2022

BERUFSALLTAG

Gesundheitsmanagement im Handwerksbetrieb: So klappt‘s

Running Group

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Gesundheitsbewusstsein der deutschen Bevölkerung deutlich verändert: Die Krankenkassen bieten ein breites Spektrum an Vorsorgeuntersuchungen an und unterstützen die Versicherten mit Zuschüssen bei sportlichen und Entspannungs-Aktivitäten. Aber auch viele Unternehmen setzen sich direkt für die Gesundheit ihrer Angestellten ein – und nutzen dazu das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM).

Hört man diesen Begriff, denkt man automatisch an ergonomisch geformte Stühle, körpergerechte Schreibtische, Bildschirmbrillen oder auch Dehnübungen in den Arbeitspausen. Und man denkt in erster Linie an große Firmen, die sich ein aufwendiges BGM leisten können.

BGM auch für Handwerksbetriebe

Kaum jemand weiß aber, dass es selbst in kleinen Handwerksbetrieben möglich und sinnvoll ist, ein BGM einzurichten. In Berufen, die körperlichen Einsatz erfordern, ist der Blick auf eine stabile Gesundheit besonders wichtig. Diese und die Zufriedenheit der Angestellten sollten daher jeder Unternehmensleitung am Herzen liegen. Beides senkt deutlich die Krankheitstage und die Fluktuation, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fühlen sich fitter und so wird auch das Unternehmen vor krankheitsbedingten Ausfällen geschützt. Seit einiger Zeit bieten spezialisierte Unternehmen und Krankenkassen Informationen und Kurse auch speziell für Handwerksbetriebe an.

Eine große Herausforderung liegt für Handwerksbetriebe zunächst in der Tatsache, dass ein Großteil der beruflichen Tätigkeiten außerhalb des Firmensitzes stattfindet. Nur selten sind alle Angestellten gleichzeitig anwesend, oft sieht man sich nur im Vorbeigehen oder tagelang gar nicht. Wie also soll man das Gesundheitsmanagement organisieren, wie weckt man das Interesse der Angestellten? Und was genau ist eigentlich sinnvoll, womit kann man die Gesundheit von Handwerkern stärken?

Sinnvoll ist es, sich zunächst einen Überblick über die Themen, die behandelt werden sollen, zu verschaffen. Das BGM sollte zur Tätigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter passen und mit den Arbeitszeiten vereinbar sein. Ein Fragebogen, den die Mitarbeitenden zu diesem Thema ausfüllen sollten, kann einen ersten Eindruck von den Problemen und Wünschen verschaffen.


Folgende Bereiche können Sie für Ihre Angestellten beispielsweise anbieten:

back pain man

1. Die Rückengesundheit stärken

Statistisch gesehen gehören Rückenbeschwerden zu den häufigsten Ursachen für Arztbesuche und haben auch den größten Anteil an Krankschreibungen im Handwerk. Um dem vorzubeugen bzw. die Krankheit schon im Ansatz zu erkennen, können Orthopädinnen und Orthopäden digitale Haltungsanalysen durchführen, durch die beispielsweise Skoliose, ein Hohlkreuz und ein Rundrücken diagnostiziert werden können. Auch erste Anzeichen für Bandscheibenprobleme können so festgestellt werden.

Bestehende Probleme können oft mit der Teilnahme an einer Rückenschule gelindert werden. Auch verschiedene Sportkurse werden seitens des BGM unterstützt.

Tipp für Arbeitgeber: Wenn Sie die Rückengesundheit Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv fördern wollen, können Sie sich über Kursangebote bei Physiotherapiepraxen und den entsprechenden Krankenkassen informieren. Einige Praxen bieten für Firmen Informationsabende in den Unternehmen an, um die Mitarbeitenden zu schulen.

Close up Male Doctor using sphygmomanometer with stethoscope checking blood pressure to a young male patient in the hospital. Healthcare, healthy lifestyle and medical service concept. Copy space

2. Herz-Kreislauf-Check

Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Durchblutungsstörungen zählen zu den häufigsten Erkrankungs- und Todesursachen in Deutschland. Durch regelmäßige Herz-Kreislauf-Checks können krankhafte Veränderungen früh erkannt oder verhindert werden. Sinnvoll sind hier beispielsweise eine Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader, das Messen von Blutdruck und Herzfrequenz und die Ermittlung der Blutfett- und Blutzuckerwerte. So können Ärztinnen und Ärzte das individuelle Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko ermitteln, Diabetes schon im Frühstadium erkennen und Vorschläge zur nötigen Behandlung machen.

Durch das BGM können Pläne für sinnvolle sportliche Tätigkeiten erarbeitet und es kann Hilfe zur Suchtprävention, beispielsweise bei Rauchern, gegeben werden.

Tipp für Arbeitgeber: Auch hier lohnt sich der Kontakt zu den Krankenkassen. Sie bieten die Möglichkeit, durch medizinisches Fachpersonal Tests durchführen zu lassen und organisieren auch Informationsabende und -material zu diesen Themen.

Young black man and a group of young sporty people practicing yoga lesson, sitting in Sukhasana exercise, Easy Seat pose, working out, indoor close up focus on mudra gesture, studio room

3. Stress abbauen

Gerade im Handwerk ist der Stressfaktor oft sehr hoch. Die Mitarbeitenden stehen vor den verschiedensten Herausforderungen: Die Arbeitsgebiete sind vielfältig, der Zeitdruck ist hoch, Arbeitsabläufe werden oft unterbrochen und die Last der Verantwortung wiegt schwer. Hinzu kommen die äußeren Faktoren wie Schichtarbeit, Temperaturwechsel und Lärm.

Zum Stressabbau bedarf es zunächst einer Analyse über die auslösenden Faktoren, um diese dann gezielt angehen zu können. Unterstützend können hier auch Yoga oder Autogenes Training wirken – beides wird oft von der Krankenkasse unterstützt und kann vom BGM vermittelt werden.

Tipp für Arbeitgeber: Stress in Handwerksunternehmen zu systematisch zu reduzieren, ist ein komplexes Unterfangen. Eine einfache Handreichung bietet die Initiative Neue Qualität der Arbeit mit der Broschüre „Kein Stress mit dem Stress – Lösungen und Tipps für Handwerksbetriebe“:


Broschüre downloaden
Point of view of a woman having a healthy lunch box. Black olives, carrots, cucumber, Cherry tomatoes and sandwich in the lunch box.

4. Gesunde Ernährung

Die gesunde Ernährung ist gerade im Handwerk ein heikles Thema. Das Klischee vom biertrinkenden Bauarbeiter mit Pommes-Frites und Currywurst ist zum Glück schon lange überholt, dennoch achten immer noch zu wenig Menschen darauf, sich ausgewogen zu ernähren. Gerade im Handwerk werden Pausen oft nicht eingehalten oder sind zumindest nicht regelmäßig möglich. Handwerkerinnen und Handwerker haben in der Regel keine Pausenräume, um sich Essen aufzuwärmen. Da ist die Versuchung groß, doch beim Bäcker oder in der Imbissbude etwas Kalorienreiches, Ungesundes zu holen und schnell zwischendurch zu verzehren.

Ernährungskurse über das BGM können hier Abhilfe schaffen: Belegte Brote schmecken auch mit gesunden Belägen, Obst sollte in der Lunchbox immer enthalten sein und auch bei den Getränken ist eine Saftschorle gesünder als eine Flasche süße Cola.

Tipp für Arbeitgeber: Sie können hier unterstützend tätig sein. Ernährungsberater bieten Informationsabende für (Handwerks-)Betriebe an, bei denen die Mitarbeitenden für gesundes Essen sensibilisiert werden. Konkret können Sie beispielsweise morgens am Betriebshof Mineralwasser, Obst und im Sommer vielleicht sogar eine Kühltasche für den Außendienst bereitstellen.

Entschließt sich ein Handwerksbetrieb dazu, BGM einzuführen, kann er sich hierfür Unterstützung holen. Verschiedene Krankenkassen bieten Kurse an. Aber auch spezialisierte Unternehmen, die im Rahmen von Vorträgen, Workshops, Präventionsberatung und Veranstaltungen das Gesundheitsbewusstsein der Mitarbeitenden wecken oder verstärken, sind ein Anlaufpunkt. Für Arbeitgeber ist es wichtig zu wissen, dass BGM auch steuerlich unterstützt wird. Pro Mitarbeiterin bzw. Mitarbeiter können jährlich bis zu 500 € lohnsteuerfrei aufgewendet werden.


Nähere Informationen können den beiden nachfolgenden Links entnommen werden:


DiBGM: Finanzielle Förderung des Betrieblichen GesundheitsmanagementsBMG: Unternehmen unternehmen Gesundheit