Der Bahnhof „Praterstern“ ist mit etwa 100.000 Reisenden pro Tag ein besonders stark frequentierter Verkehrsknotenpunkt. (Foto: ÖBB/Robert Deopito)
Wiener Nordbahnhof setzt auf Online-Überwachung seiner Hebeanlagen
Mit rund 25.000 Liegenschaften, 5.000 Gebäuden und über 1.000 Bahnhöfen und Haltestellen verfügen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) über einen umfangreichen Immobilienbestand in Österreich. Rund 760 Fachkräfte sind im Bereich Infrastruktur im Einsatz.
Zur Unterstützung der Abwasserentsorgung in den Bahnhöfen werden auch webbasierte Services genutzt, die am Wiener Nordbahnhof Praterstern zum Einsatz kommen. Sowohl die Pumpen als auch die Vernetzungsinfrastruktur stammen von Wilo.
Der 2008 vollständig umgebaute Bahnhofskomplex umfasst auch die sanitären Einrichtungen. Für diesen Bereich entschied sich die ÖBB für den Einsatz einer Hebeanlage vom Typ Wilo-EMUport.
Bahnhofstoiletten - eine besondere Herausforderung
„Zutrittssysteme, Reinigungskräfte und Aufsichtspersonal können zur Aufrechterhaltung der Sanitäranlagen beitragen, aber auch die technische Funktion ist ein wichtiger Faktor“, erläutert Andreas Coufal vom Wiener Technikmanagement der ÖBB.
In stark frequentierten öffentlichen Sanitärbereichen können Feststoffe in der Abwassertechnik zu zusätzlichem Wartungs- und Serviceaufwand führen.
„In der Vergangenheit waren wiederholt Reparatureinsätze erforderlich, um Feststoffe aus den Pumpen zu entfernen“, so Coufal.
Feststofftrennung zum Schutz der Pumpen
Die Wilo-Hebeanlage „EMUport“ reduzierte den Aufwand im Zusammenhang mit Verstopfungen. Auch im Hauptbahnhof Wien sind Anlagen dieses Typs im Einsatz. „Aufbauend auf diesen Erfahrungen haben wir uns auch im Bahnhof Praterstern für dieses Feststofftrennsystem entschieden“, so Coufal.
Bei dem von Wilo entwickelten Prinzip der Feststofftrennung gelangt das zulaufende Abwasser zunächst in einen Behälter, in dem ein Gitter die Feststoffe zurückhält. Das vorgereinigte Abwasser fließt durch die ruhende Pumpe weiter und wird in einem Reservoir gesammelt. Sobald ein definierter Füllstand erreicht ist, fördert die Pumpe das Abwasser aus dem Reservoir zurück in den Feststoffbehälter. Von dort werden die Feststoffe über die Druckleitung in das Kanalnetz weitergeleitet.
Die Anlage verfügt über zwei Feststofftrennkammern und zwei Pumpen, die im Wechsel betrieben werden. Im Fall einer Wartung oder Störung kann der Betrieb über die jeweils andere Linie weitergeführt werden.
Regelmäßige Funktionsprüfungen und vorbeugende Instandhaltung entscheiden über die Lebensdauer
Mit der Feststofftrennung werden Materialien mit Verstopfungspotenzial von der Pumpenhydraulik getrennt. Unabhängig davon erfordern Hebeanlagen eine regelmäßige Wartung und Instandhaltung. Die Norm DIN EN 12056-4 sieht hierfür bestimmte Intervalle und Maßnahmen vor. Bei gewerblicher Nutzung ist die Anlage alle drei Monate durch eine fachkundige Person zu warten. Zusätzlich ist die Hebeanlage monatlich durch den Betreiber anhand von mindestens zwei Schaltzyklen auf Betriebsfähigkeit zu prüfen.
Für einen Betreiber mit zahlreichen Liegenschaften ist dies mit entsprechendem organisatorischem Aufwand verbunden. Das „Wilo Care“-Konzept umfasst daher die Wartung und Instandhaltung entsprechend DIN EN 12056-4 sowie die technische Überwachung der Anlage. Hierzu kann die Hebeanlage mit zusätzlicher Sensorik ausgestattet werden, die Anlagenparameter über eine Kommunikationsbox an ein webbasiertes System übermittelt. Auf dieser Grundlage können Betriebsdaten ausgewertet und Auffälligkeiten frühzeitig erkannt werden.
Je nach gewähltem Servicepaket werden zusätzliche Einsätze gesondert abgerechnet oder sind im vereinbarten Leistungsumfang enthalten. Darüber hinaus können Statusberichte die Transparenz im Anlagenbetrieb unterstützen und zur Planbarkeit von Serviceaufwänden beitragen. Auch die Entlastung des eigenen Personals kann dabei eine Rolle spielen. Regelmäßige Funktionsprüfungen und Instandhaltungsmaßnahmen sind wichtige Bestandteile eines dauerhaft ausgelegten Anlagenbetriebs.
Digitalisierung unterstützt die Überwachung
Durch den Einsatz des „EMUport“ mit Feststofftrennung verringerte sich der Aufwand für Serviceeinsätze nach Projektangaben um etwa 50 %. In Verbindung mit der technischen Überwachung durch „WiloCare“, den regelmäßig durchgeführten Wartungsarbeiten durch Wilo sowie den Kontrollen der Feststofftrennbehälter durch Mitarbeitende der ÖBB konnte der Anlagenbetrieb stabilisiert und der Wartungsaufwand reduziert werden.
Für den Wiener Nordbahnhof und den stark frequentierten Standort Praterstern ist die Funktionsfähigkeit der Sanitäranlage ein wichtiger Bestandteil des laufenden Betriebs.
Wilo Care
Die drei angebotenen Servicepakete sind für Pumpenanwendungen mit erhöhten Anforderungen ausgelegt, auch im Bestand. Dazu zählen unter anderem Druckerhöhungsanlagen und Abwasserhebeanlagen, bei denen Störungen zu Beeinträchtigungen im Betrieb und zu zusätzlichem Instandhaltungsaufwand führen können. Ziel des webbasierten Service ist es, den Betrieb von Pumpenanlagen durch technische Unterstützung und Anlagenüberwachung zu begleiten – sowohl bei Neuanlagen als auch bei Bestandsanlagen.